Einstellungen

Gruppenregeln der Trans* SHG Linz

Stand: 11. August 2024
  1. Alle Dinge, die im Rahmen der Selbsthilfegruppe besprochen werden, sind strikt vertraulich zu behandeln! Was in der Gruppe gesagt wird, bleibt auch in der Gruppe!
  2. Transphobie, Rassismus, Behindertenfeindlichkeit, Frauenfeindlichkeit oder ähnliche diskriminierende Ansichten haben in der Gruppe nichts verloren! Während saloppe Ausdrucksweisen völlig in Ordnung sind und Wortmeldungen auch nicht immer ganz politisch korrekt ablaufen müssen, sind dennoch jegliche Aussagen mit rassistischem oder gar transphobem Unterton tunlichst zu unterlassen! Weder pauschalisierende Aussagen über Menschengruppen ("Die Ausländer sind alle...") noch abwertende Aussagen über die Geschlechtsidentität oder Geschlechtsausdruck eines Teilnehmenden werden toleriert! Letzteres gilt insbesondere in Bezug auf nicht-binäre Identitäten. Dazu zählen auch reaktionäre Anschauungen, die auch unter dem Begriff „trans medicalism" bekannt sind, die besagen, dass man nur wirklich trans sei, wenn man auch geschlechtsangleichende Maßnahmen anstrebt. Wer diese Ansicht teilt und diese Selbsthilfegruppe besucht, sollte sie also besser für sich behalten. Gleichermaßen sollte es selbsterklärend sein, dass absichtliches Misgendern oder Deadnaming ein klares No-Go ist.
  3. Es gilt die Identität(en), Entscheidungen, Erfahrungen und Gefühle anderer zu respektieren und sie nicht einfach in Frage zu stellen oder versuchen sie wegzureden. Dies gilt ganz besonders bei physischen und psychischen Gewalterfahrungen und dem Erfahren von Diskriminierung. Personen, die diese Themen offen in der Runde ansprechen, machen sich dadurch oft sehr verletzlich und daher ist es von äußerster Wichtigkeit, dass diesem Mut nicht mit Ignoranz oder gar Unverständnis, sondern mit aufrichtigem Mitgefühl begegnet wird. Nur so kann die Selbsthilfegruppe auch ein Safer Space sein, um über seine Probleme offen und möglichst ohne Hemmungen sprechen zu können. Besonders das Herunterspielen und Verharmlosen von Gewalterfahrungen kann Betroffene retraumatisieren, was den Sinn dieser Selbsthilfegruppe völlig konterkariert. Es ist auch unangemessen anderen Teilnehmenden Lösungsansätze, die für einen selbst gut funktionieren oder funktioniert haben, aufzwingen zu wollen - seien sie religiöser oder säkularer Natur. Das Gleiche gilt auch für alle Hobbypsychologeninnen: andere Teilnehmende einfach aufgrund bestimmter Verhaltensmuster oder Symptomatiken unaufgefordert zu diagnostizieren (sei es jetzt mit ADHS, Autismus oder anderem) ist nicht nur sehr unhöflich, sondern auch durchaus anmaßend auch wenn es nur gut gemeint ist.
  4. Diese Gruppe ist nicht dafür da um nach einer Beziehung oder sexuellen Erfahrungen zu suchen. Jegliche sexuellen bzw. romantischen Annäherungsversuche sind daher zu unterlassen! Dies gilt sowohl für transidente als auch cis Personen!
  5. Die Teilnahme ist nur in nüchternem Zustand erlaubt. Sollte eine Person in betrunkenem Zustand oder unter Einfluss illegaler Drogen zu einem Treffen erscheinen, wird diese gebeten werden wieder zu gehen! Damit sind ausdrücklich *nicht* ärztlich verordnete Medikamente wie zB Ritalin bei ADHS, Antidepressiva oder ähnliches gemeint, selbst wenn diese die Verkehrstüchtigkeit einschränken können. Moderater Alkoholkonsum ist beim gemeinsamen Zusammensitzen beim Wirten nach der Selbsthilfegruppe natürlich erlaubt, allerdings ist auch hier darauf zu achten sich nicht so zu betrinken, dass es zu auffälligem Sozialverhalten führt.
  6. Es spricht grundsätzlich immer nur die Person, die in der Runde gerade das Rederecht hat. Es sei denn, es handelt sich explizit um eine offene Runde, wo sich alle einfach zu Wort melden können (das macht eventuell am Ende des Treffens Sinn, wenn schon alle einmal dran waren). Getratsche untereinander, während jemand gerade spricht, ist sehr unhöflich und störend und daher zu unterlassen. Natürlich ist es in Ordnung auf Gesagtes unmittelbar zu Antworten (zB wenn eine Person auf der Suche nach medizinischen Kontakten ist), allerdings sollte sich diese Wortmeldung dann auch direkt auf das Gesagte beziehen und nicht vom eigentlichen Thema ablenken oder in einen Monolog ausarten. Sollte bei einem Thema plötzlich eine wilde Diskussion ausbrechen, ist es meist besser, die Runde vorher noch zu Ende zu bringen und das Thema anschließend noch einmal in einer offenen Runde zur Diskussion zu stellen. So kann sichergestellt werden, dass alle ihre Redezeit hatten, ohne dabei wichtige Themen unter den Tisch fallen zu lassen.
  7. Niemand ist verpflichtet, aktiv an der Gruppe teilzunehmen. Was die Teilnehmenden mit der Gruppe teilen und in welchem Ausmaß obliegt alleine ihnen. Üblicherweise gibt es zu Beginn des Treffens eine kleine Vorstellrunde, aber sowohl das Nennen des eigenen Namens als auch der verwendeten Pronomen ist optional. Alle Teilnehmenden dürfen so anonym bleiben, wie sie es wünschen.
  8. Alle Teilnehmenden sollten etwa gleich lange die Chance bekommen, reden zu dürfen. Während es Sinn macht und auch erwünscht ist, zurückhaltenderen oder schüchternen Personen mehr Raum zu geben und sie zu ermutigen mehr aus sich herauszugehen, gilt es umgekehrt für sehr redefreudige Teilnehmende etwas auf die Zeit zu achten. Sofern es sich nicht um eine offene Runde handelt, sollte sich eine Wortmeldung auf maximal 5-7 Minuten beschränken, da sonst besonders bei besser besuchten Treffen nicht mehr genug Redezeit für alle anderen übrig bleibt.
  9. Diese Gruppe steht grundsätzlich allen Menschen offen, ungeachtet ihrer Geschlechtsidentität oder sexuellen Orientierung - wir sind eine inklusive Selbsthilfegruppe! Dadurch sind wir auch offen für alle, die überlegen, ob sie trans sind oder nicht, und geben gerne Unterstützung bei der Selbstfindung. Darüber hinaus kann es für manche auch Sinn machen, am Anfang Begleitpersonen zur Unterstützung mitzunehmen. Gleichzeitig ist es wichtig zu betonen, dass Teilnehmende die sich eindeutig als cis-geschlechtlich identifizieren den anderen in der Gruppe beim Reden den Vortritt lassen sollten, sodass die wesentlichen Themen auch besprochen werden können. Der eigentliche Zweck der Gruppe ist Hilfe zur Selbsthilfe und Austausch unter transgeschlechtlichen bzw. möglicherweise transgeschlechtlichen Menschen und nicht die Aufklärung von cis Personen zum Thema transgender. Für diesen Zweck sollten eigens dafür vorgesehene Treffen vereinbart werden, damit der normale Ablauf der Selbsthilfegruppe dadurch nicht gestört wird.
  10. Punkte 1 bis 4 gelten auch beim gemütlichen Zusammensitzen der Selbsthilfegruppe beim Wirt!
  11. Bei Verstoß gegen diese Regeln gibt es je nach Schweregrad eine Verwarnung. Bei Nichtbeachtung behält sich die Gruppenleitung vor, Teilnehmende aus der Gruppe auszuschließen. Ob ein wiederholter Verstoß gegen die Regeln zu einem Ausschluss führt, hängt immer vom konkreten Fall ab. Während es bei Verstößen gegen die Rededisziplin bei einer Ermahnung bleiben wird, sollte man bei diskriminierenden oder anderweitig respektlosen Aussagen und Verhaltensweisen anderen gegenüber mit weniger Zurückhaltung rechnen.
  12. Für den Fall, dass sich Teilnehmende während des Treffens unwohl gefühlt haben, können sie sich jederzeit an die Gruppenleitung wenden. Dies kann entweder im persönlichen Gespräch nach Ende des Treffens sein oder auch per E-Mail oder per PN auf Discord. Auch konstruktives Feedback ist gerne gesehen!